teamtoke und das Welcome to hell Race

…Segeln ist die teuerste Art unbequem zu reisen und wenn's dumm läuft segelt man noch nicht mal...

Freitagsnachmittags mit dem Auto von Hamburg nach Kiel und gleichzeitig beginnen in den ersten Bundesländern die Ferien – sowas kann auch schief gehen! Geht es aber nicht! #teamtoke trudelt relativ pünktlich gegen 1800 Uhr an Tokes Sommerliegeplatz in der Schwentine ein. Es soll (Achtung Spoiler!) das letzte Mal für die nächsten zwei Tage sein, dass wir gut und pünktlich irgendwo ankommen.

Andreas und JanT checken uns im Regattabüro beim KYC auf der Nordseite der Förde ein, während der Rest von uns Toke um nicht benötigte Cruising-Ausrüstung erleichtert und den ganzen Krempel gleichmäßig auf unsere Autos verteilt. Zahlenwimpel 3 für unsere Startgruppe ans Achterstag, Genni und Code 0 bereitlegen, die vorbereitete Karte der Regattabahn in den Niedergang hängen und Werbeaufkleber ans Vorschiff babben. So langsam kriegen wir Routine, allmählich grooven wir uns ein.

Die selbstgezeichnete teamtoke-Navionics-Karte mit der Regattabahn Kiel Eckernförde

Die Planung im Detail: am Samstag um 0935 ist unser Start zum Welcome Race der Kieler Woche von Kiel nach Eckernförde. Wieder mal sind absolute Leichtwindbedingungen vorhergesagt. 1-2 Bft aus Nord-Ost bedeuten eine langwierige, schwierige Kreuz aus der Förde – absolut nicht unsere Bedingungen. Naja, wenigstens soll es nicht regnen.

Zum Mittag soll es ein bisschen auffrischen, also mit 3 Bft-Halbwind rüber zur Eckernförder Bucht und raumschots Richtung Ziellinie. Das ist dann schon eher was für Toke und sein Team.

Freitag abend im Restaurant dann noch die letzten Planungen für den Start am Samstag besprechen und dann ab in die Koje.

Trotzdem gelingt das frühe Aufstehen nicht mehr allen ganz so problemlos wie noch vor drei Wochen bei unserer ersten Regatta. Kurz vor’m Auslaufen wird’s daher nochmal hektisch. Aber um 0830 Uhr stehen wir pünktlich mit gesetztem Groß an der Startlinie. Das Verkehrsaufkommen auf der Kieler Förde erinnert bereits um diese Uhrzeit an die morgendliche Rushhour in der Hamburger Innenstadt. Ein heilloses Gewimmel aller möglichen Yachten kreuzt vor dem Hafen des KYC, meldet sich an, checkt die Startlinie und wartet ab.

Kurz vor unserem Start pflügt noch mal die Fähre aus Oslo mitten durchs Startgebiet und wir gehen schnell in der Schwentine in Deckung. Beim Vier-Minuten-Signal sind wir dann zu weit weg von der Startlinie, weil prompt in diesem Moment der Wind fast ganz einschläft. Toll, schon wieder den Start versaut, aber dieses Mal sind wir wenigstens nur eine Minute zu spät an der Line.

Und eigentlich fängt das Drama erst jetzt so richtig an. Wir müssen aus der Förde raus kreuzen und finden keinen guten Trimm für die nicht mal 6 kn Wind. Keine gute Kombination mit Tokes eh schon überschaubaren Leichtwind-Kreuz-Fähigkeiten. Wir versuchen uns immer wieder frei zu wenden und werden  trotzdem von einem Boot nach dem anderen  mit ihren  riesigen Genua 1 abgepflückt.

Als wir endlich aus der Förde raus sind und die Bahnmarke 3 erreichen geht der Code 0 hoch und unser Speed reicht endlich so leidlich, um mit dem Feld mitzuhalten.

Erst als es vor dem Wind in die Eckernförder Bucht rein geht kommt unsere Stunde. Unser Sturm–Code 0 (für Leichtwind ist dieses Exemplar jedenfalls nicht!) landet unter Deck und der Genni geht hoch. Während die Spi-Boote platt vor’m Lacken zur nächsten Bahnmarke steuern, luven wir an und kreuzen vor dem Wind. Von hinten kommt die Imoca vom Offshore Team Germany ebenfalls mit Genni nur eben ne Idee flotter als wir. Dennoch, wir sind deutlich schneller als die Vergleichsboote der Aalregatta, in deren Feld wir inzwischen gerutscht sind. Obwohl wir durch unser Gekreuze einiges an Strecke mehr zurücklegen, können wir einen Vorsprung herausfahren. Nicht zuletzt deshalb, weil unsere Halsen immer besser funktionieren. Das Training seit Saisonbeginn zeigt die ersten Erfolge.

Aber das, was wir auf dem Upwindgang nach dem Start verloren haben, können wir nun auch natürlich nicht mehr reinfahren.

Nach über 7 Stunden überqueren wir die Ziellinie; erleichtert, ernüchtert und um einige Erfahrungen reicher. In der Hafeneinfahrt bekommen wir den obligatorischen Aal und dann machen wir im Achterpäckchen mitten im Eckernförder Hafenfest fest.

Das ist schon alles sehr schön gemacht bei dieser Regatta, wenngleich die Stimmung unter den Seglern ruhig etwas offener sein dürfte. Man trägt die Kragen und die Nasen hoch hier beim Welcome Race.

Am nächsten Morgen, dann kurz vor dem Auslaufen der Schock: bei der Rigg-Kontrolle entdecken Lars und Andreas einen heftigen Schaden an der Saling. Segeln ist damit nicht möglich, schon gar nicht unter Regattabedingungen. Wir lassen das Päckchen zum Start auslaufen und machen dann wieder an der Kaimauer fest, um den Schaden genauer zu untersuchen. Leider sind wir uns danach (fast) alle einig, dass auch „vorsichtiges“ Segeln keine Option ist. Wir treten die Rückfahrt nach Kiel also unter Maschine an.

   

 

Als wir dann am Regattafeld, das bei 12kn -14 kn Wind und herrlichen Sonnenschein aus der Eckernförder Bucht kreuzt, vorbei dieseln, ist die Stimmung auf Toke gelinde gesagt gedämpft. Die Frage bleibt also bis mindestens nächstes Jahr offen, wie wir uns auf der Kreuz bei diesen Windbedingungen und in diesem Feld geschlagen hätten.

Wenigstens sind wir pünktlich zurück in der Schwentine, klaren auf und räumen die ausgelagerte Ausrüstung zurück an Bord. Während dessen schreibt Hauke in Hamburg schon fleißig E-Mails und fragt Ersatzteile und Reparaturmöglichkeiten bei elbesegel an.

In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch wird dann bei einem Büroeinbruch das iPad mit dem noch nicht synchronisierten Track unserer Wettfahrt von Samstag geklaut. Ein Welcome (to hell) Race zum vergessen eben.

Euer teamtoke

 

PS.: Aktuell werden die neuen Salinge (wie lautet hier der korrekte Plural?) gefertigt und wir verlagern derweil unser Donnerstagtraining auf eine Seascape 24 nach Travemünde. Letzten Donnertag, als wir mit 12,5kn über die Ostsee glitschten waren wir uns relativ schnell einig: Es gibt deutlich schlechtere Ausweichmöglichkeiten.

…oder der zweite Versuch vom ersten Mal

Das Wetter ist das beherrschende Thema bei der Nordseewoche 2019. Was für Freitag zu wenig, wird für die Strecke Cuxhaven – Helgoland am Samstag zu viel angesagt. Die Wettermodelle liefern sich einen Wettstreit um die Vorhersage der heftigsten Böen und da am Samstag in der Deutschen Bucht kaum mehr als 20 sm – 30 sm West oder Ost über Starkwind oder Sturm entscheiden, konzentrieren wir uns auf die engmaschigen Vorhersagen und lassen die amerikanischen GFS-Daten mit Ihrem 25 km Raster lieber außenvor.

Europa schickt das ECMFW- und der DWD das ICON-Modell ins Rennen. Dank www.windy.com schauen wir uns das sogar kostenlos an (bzw. gegen Spende) und sind jedes Mal so gespannt wie vor dem ersten eigenen Anlegemanöver, wenn die nächsten Hochrechnungen veröffentlicht werden. Und windy macht die Sache gut; selbst wenn man durchgehend während des Segelscheins beim Thema Wetter geschlafen hat, erkennt auch noch das schlichteste Gemüt: alles rot auf der Windkarte, das ist bestimmt nicht gut!

ECMFW spricht von 5-7 Bft Mittelwind und in Böen ne satte 8, zum Mittag zunehmend und ab 1500 Uhr in Böen ‘ne knappe 9. Der DWD legt noch ‘ne Schippe drauf, verordnet den Durchzug des Tiefs ein bisschen weiter östlich und ruft 9er Böen bereits ab 0900 Uhr auf (praktisch, das können wir uns gut merken!) für 1200 Uhr dann 45 kn und ab 1500 Uhr schmeißen die Kollegen sogar 49 kn – 10 Bft ins Rennen. Alle Achtung, das ist mal ‘ne Ansage!

Fährt man oder fährt man nicht? Einmal die wichtigsten Fakten im Schnelldurchlauf:

  • Team Toke am Anfang einer vielversprechenden Karriere, aber ehrlich gesagt noch ohne gemeinsame Starkwinderfahrung
  • Etliche – auch große Yachten – melden spontan auf die Wettfahrt am Freitagabend um und gehen lieber mit ein paar Bier im Kopf an die Startlinie
  • Stegnachbar A. schwört, dass man vermutlich noch in der Hafeneinfahrt sterben wird, sollte man so wahnsinnig sein und rausgehen
  • Stegnachbar B. schwört Stein und Bein, dass überhaupt nix los wäre
  • Stegnachbar C bis Y sind felsenfest von A oder B oder irgendwas dazwischen überzeugt
  • Südliche Winde bedeuten Raumschot bzw. max. halber Wind und …
  • …das heftigste soll erst ab mittags eintreffen, da sind sich alle Modelle relativ einig

Die Wettfahrt wird um 0740 Uhr starten. Wenn alles normal läuft, sind wir also vor dem Sturm da und für nächstes Jahr Rund Skagen kann ein wenig gemeinsame Starkwinderfahrung und Vertrauen ins Schiff bestimmt auch nicht schaden. Unser Bordarzt und Helgolandexperte gibt zu bedenken, dass südliche Winde zwar Raumschots bedeuten, dass das aber eben auch achterliche See im Fahrwasser vor Helgoland heißt. Bowman Andreas besorgt dann noch abends um 2200 Uhr die Telefonnummer vom Vorsitzenden des Helgoländer Segelclubs, der uns bereitwillig Auskunft gibt und beruhigt, die Einfahrt zum Hafen ist kein Problem, auch nicht bei südlichem Starkwind. Und was macht man nun damit? Am besten mal ‘ne Nacht drüber schlafen…

Morgens um 0600 Uhr unter der Dusche dann die Überlegung, dass man viel nasser als jetzt auch nicht werden kann und wir diese Bedingungen einfach mal trainieren müssen – wir fahren! Zurück an Bord wird die Entscheidung bei nicht wenigen mit einem erwartungsfrohen Grinsen quittiert und der Rest will zumindest nicht mit der Fähre fahren.

Wir schaffen es nur nicht mehr so richtig in den Wettkampfmodus zu schalten, unsere Päckchennachbarn schaffen es nicht rechtzeitig, sich von uns loszuwerfen und so schaffen wir es gerade noch mit 4 Minuten Verspätung über die Startlinie, kurz bevor der Start geschlossen wird.

Egal, wir sind draußen!

In der Abdeckung von Cux (Tip: an dieser Abkürzung erkennt man übrigens unzweifelhaft den Nordsee-Segel-Experten! Immer verwenden und damit Selbstverständlichkeit demonstrieren!) herrschen moderate 15 kn – 18 kn von schräg hinten. Das führt dann zu folgendem Spannungsbogen: Um 0615 die Entscheidung getroffen, dass wir trotz der widrigen Wetterbedingungen eine Überfahrt wagen, um 0800 gehen 110 qm Vorsegeltuch auf Toke nach oben. Der Kurs ist dann allerdings ein wenig zu Tief für unseren Gennaker und wir nehmen Ihn nach knapp 3 sm wieder runter. Gerade noch rechtzeitig bevor die ersten Böen einsteigen und es die nachfolgenden größeren Spi-Boote reihenweise auf die Backe legt.

Wir folgen dem Tonnenstrich in Richtung der ersten Bahnmarke Tonne 2 / Außenelbe Reede 3. Der Wind hat auf mittlerweile 6 - 7 Bft zugelegt und weht nun direkt von der Seite - Halbwindkurs. Toke mag das und läuft konstant 9 - 11 kn durchs Wasser. Auf der Reede fahren wir dann ein wenig Slalom um die Ankerlieger und müssen kurz vor der nächsten Bahnmarke Außenelbe Reede 4 stark abfallen. Wir erwischen zwei grandiose Wellen und Toke beschleunigt auf 16,4 kn Topspeed an diesem Tag. Yeeeaaahhh!

Wir luven wieder auf knapp Halbwind an und legen Kurs Helgoland. Die Großschot wird die ganze Zeit von zwei Personen gefahren, um rechtzeitig Druck rauszulassen, denn inzwischen haben wir 'ne konstante 7 mit regelmäßigen 8er Böen. Der Boatspeed wird nur noch bei Steuerfehlern einstellig und wir können auch mit einigen der größeren Yachten gut mithalten.

Kurz vor Helgoland dann die Überlegung, ob wir abkürzen und direkt die letzte Bahnmarke Tonne 3 des Helgoländer Fahrwassers anlegen können. Die Wellen sind inzwischen so hoch, dass uns eine Kartentiefe von 3 m bis 4 m an einigen Stellen nicht sicher erscheint und wir bergen kurz vor der Einfahrt das Groß, um durch das Fahrwasser über die Ziellinie zu kommen. Schlussendlich die falsche Entscheidung – andere Yachten schnibbeln und sparen sich so bestimmt knapp 10 Minuten.

Egal, wir sind da!

Nur mit Fock fahren wir als erstes Schiff unserer Gruppe über die Ziellinie und werden nach berechneter Zeit zweiter (von zwei -der Rest ist nicht gestartet).

Gerade noch rechtzeitig bevor der Tanz richtig losgeht, machen wir im 10er-Päckchen fest und sind geflasht! Vom Wind, von der See, von uns, von diesem Ritt und von Toke, diesem geilen Boot!

Abends bei der Preisverleihung wird unser famoser Start noch einmal explizit von der Wettfahrtleitung gewürdigt und wir gehen mit einer Buddel Rum für den zweiten und der Gewissheit, dass wir eine Menge verstanden haben, schlafen.

Am nächsten Abend machen wir in Brunsbüttel an der ASV-Vorstands-Yacht Penny längsseits fest und arbeiten die Geschehnisse konzentriert und akribisch bis kurz vor Mitternacht gemeinsam mit den ASV-Kommodores auf.

Um 0345 Uhr geht’s dann weiter nach Kiel, zu Tokes Sommeralm – die Kieler Woche wartet auf uns.

Stay tuned im ASV-Blog!

PS.: Vielen Dank an Jens Seiderer/Germania VI für die tollen Fotos!

Das Copyright allre Fotos liegt bei Jens Seiderer/Germania VI

 

oder wenn schon früh aufstehen, dann aber bitte nicht alles gleich so stressig...

Heute also unsere erste Regatta, die erste Regatta für Team Toke und das erste Mal Nordseewochenluft schnuppern auf dem Weg zu unserem eigentlichen Ziel: Rund Skagen 2020.

Wer ‚oben rum‘ will, muss leidensfähig sein. Wenig und wenig geruhsamer Schlaf sind eine der Herausforderungen auf dieser Offshore-Regatta.

Insofern ist unsere Premieren-Regatta, die uns von Wedel nach Cuxhaven bringen soll, ein erster hervorragender Test für uns alle. Pfingsten, der Tidenkalender und die Nordseewoche-Wettfahrtleitung haben uns einen Start am Freitagmorgen um 0600 Uhr beschert, was für unseren Plan bedeutet

  • 0400: Aufstehen und fertig machen nach eigenem Ermessen
  • 0445: Angeplünnt an Deck – Teambesprechung
  • 0500: Auslaufen

Tagelang vorher schon der bange Blick auf die Wetterkarten, auf denen sich ums Verrecken nix tun will. Heißt: Für Freitagmorgen liegen wir in bleiernem Hochdruckeinfluss – Flaute. Auch das verzweifelte Umschalten zwischen den Wettermodellen bringt nix. In gnadenloser (und längst vergessener transatlantischer) Einigkeit präsentieren sich die US-amerikanischen und europäischen Vorhersagen und so sind selbst die größten Optimisten einschließlich unseres Wettfahrtleiter „Ratte“ (sic!) während des Angrillens am Donnerstagabend in Wedel skeptisch. Eventuell müsse man den Start nach Glückstadt verlegen. So weit so gut, nix genaues weiß man nicht und wir treffen uns dann alle um 0600 vor der Tür, Prost!

Für Team Toke heißt das also: Zeitplan siehe oben und dann schauen wir mal.

Erste Regatta-Erfahrung für Team Toke: pünktlich aufstehen können Sie alle.
Zweite Regatta-Erfahrung für Team Toke: die meisten von uns geben morgens um 0400 ein trauriges Bild ab. Wie dem auch sei, wir sind die Ersten an der Startlinie, die wir ehrlich gesagt erstmal suchen müssen. Aber tatsächlich: auf dem Westdamm des Yachthafens stehen zwei Masten und die bekommt man sogar in Deckpeilung. Wir sind bereit! Der Wind nicht!

Die Wettfahrtleitung erscheint um 0600 und gibt per UKW den Marschbefehl nach Glückstadt. Also einkuppeln und los. Von vorne kommt der Airbus-Frachter und mit ihm der Lotse. Er grüßt uns und mahnt gleichzeitig Wedel zum Aufstehen per Nebelhorn, Danke und Gruß zurück :-)

Gegen 0900 erreichen wir das potentielle Startgebiet vor Glückstadt, aber Wind ist immer noch nicht da. Die Wettfahrtleitung macht kurzen Prozess, schießt zweimal und erklärt dankenswerterweise auch noch per UKW, was wir befürchtet haben: heute keine Wettfahrt mehr, bitte begeben Sie sich selbstständig nach Cuxhaven. Nehmen Sie auch gerne den Motor.

Wir nehmen aber trotzdem noch mal kurz den Gennaker und dann auch noch mal den Code 0. Aber es hilft nix, wenn wir nicht voll gegen die Tide wollen, müssen wir los. So bleibt wenigstens ein bisschen Zeit, um das hier mal aufzuschreiben und schon mal an Morgen zu denken. Da erwarten uns dann bei unserer Premieren-Wettfahrt voraussichtlich 25 kn Mittelwind und Böen bis 40 kn.

Es kommt halt wie es kommt, mit diesem Wetter…

Grüße vom #teamtoke

Die einwöchige Praxisausbildung zum SKS findet bei unserem Partner Deutscher Hochseesportverband Hansa (DHH) in Glücksburg statt. Eingesetzt werden Ausbildungsyachten der Größe 37-41 Fuß. Manövertraining unter Segeln und unter Motor gehört genauso zur praktischen Ausbildung wie eine Unterweisung in Motortechnik, Gasanlage, Navigation, Schiffssicherheit und alle nach den Prüfungsvorschriften geforderten Lehrinhalte. Wir fahren mit maximal 6 Teilnehmerinnen bzw. Teilnehmern sowie einem Ausbilder.

Während des SKS-Praxistrainings sind die Teilnehmer in der Hanseatischen Yachtschule Glücksburg untergebracht. Die Unterbringung und Verpflegung erfolgt bei Buchung "Vollpension" in maritimen Vierbettzimmern an der Hanseatischen Yachtschule. Für Kursteilnehmer, die sich extern in nahegelegenen Hotels/Pensionen unterbringen möchten, enthält der Kurspreis bereits das Mittag- und Abendessen an der Yachtschule. Der Kurs schließt mit der SKS-Praxisprüfung ab.

Skipper: Thorsten Walter; Crew: max. 6; Wann: 22.09.18 – 29.09.18; Anreise: Samstag zw. 17-17.30 Uhr, Abreise: Samstag 9 Uhr nach dem Frühstück; Revier: Hanseatische Yachtschule, Glücksburg

Voraussetzungen: Für die Prüfung zum SKS sind der amtl. SBF-See und der Nachweis von 300 auf Yachten in Küstengewässern gesegelten Seemeilen Voraussetzung. 100 sm werden im Kurs gesegelt und anerkannt. Kosten: 975,- (Vollpension) Studenten: 900,-
Anmeldung: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Lichterfahrt mit Roede Orm
Auf Roede Orm zu Cruise Days und Blue Port (Foto: Anke Sobotta)

Auf nächtliche Fahrt ging es am 8. September 2017 mit Röde Orm Richtung Hamburger Hafen. Wir wollten erleben was auf der Elbe so leuchtet, blinkt und funkelt.

Ein kräftiger Schauer stellte das Projekt auf Höhe Tinsdal noch kurzzeitig in Frage stellte. Nach kurzer Unterbrechung öffnete sich die Wolkendecke und gab die Sicht auf Cruise Days und den Blue Port frei.

Als mein Handy piepte, stapfte ich gerade in meinen Wanderstiefeln samt Rucksack durch die Lüneburger Heide, irgendwo zwischen Handeloh und Undeloh (ja, diese Orte gibt es wirklich). Genervt verdrehte ich die Augen, wieso hab ich hier eigentlich schon wieder Empfang? Und überhaupt, wer klaut mir hier wertvolle Akkuleistung?? Als ich Joschas Nachricht las fiel mir das Handy fast auf den matschigen Waldboden: „Hast du nächsten Fr, Sa, So Zeit und möchtest bei der Bundesligaqualifikation mitsegeln? Wir brauchen dringend noch ein viertes Crewmitglied, sonst können wir nicht starten.“ Wie bitte? Bundesligaquali? Meinte er das ernst? Bisher hatte ich nur ein paar Mal mit ihm auf der Argon an der Dienstagsregatta teilgenommen und auf dem Orm am Senatspreis am vorherigen Wochenende. Das war’s dann aber auch schon mit meiner Regattaerfahrung. Nach einem klärenden Telefonat am Abend (WLAN war zwar nicht verfügbar, aber immerhin Strom) war klar, ja, wir werden am nächsten Wochenende teilnehmen. Auf einem Boot, das wir beide vorher noch nie gesegelt waren, mit einer Crew die ich bis dato noch nicht einmal kannte.

Aber hey, no risk, no fun! Nach einem kleinen Einführungsabend am Dienstag durch Niels beim Italiener um die Ecke, bei dem er uns den Ablauf sowie die Aufgabenverteilung erklärte, samt kleiner Skizzen für’s bessere Verständnis und einer spontanen komplett Klamottenausstattung für mich durch Ragna (vielen Dank an dieser Stelle noch einmal dafür!), fuhren wir Donnerstagabend mit Trung zu viert nach Glücksburg in eine kleine Ferienwohnung, die er für das Wochenende organisiert hatte. Abends gab’s lecker Pizza, eine weitere Einführungsrunde und Taktikbesprechung. Bisher alles bloße Theorie. Der Umstand, dass Niels und Trung während Regatten die englischen Begriffe nutzen, brachte ihnen einige verwirrte Blicke ein, aber blöde Fragen stellen war ja schließlich unser Job als Neulinge und immer willkommen.

Punkt 9.30 saßen wir dann am nächsten Morgen das erste Mal auf einer der 13 J70s, die den Regatta Teilnehmern durch die Veranstalter für die Qualifikation zur Verfügung gestellt wurden. Das Startgeld war bezahlt, die einzige Trainingszeit von einer Stunde, die wir vor dem Start der Regatta hatten, hatte begonnen.

Der Wind ballert mit über 25 Knoten, als wir das Groß hoch zogen und das erste Mal aus der Marina segelten. Bei so viel Wind war ich vorher noch nie auf dem Wasser gewesen. Joscha zog die Genua raus und schon saßen wir auf der Kante und hiketen was das Zeug hielt. Die ersten Wenden klappten schon ganz gut. Dann zogen wir den Gennaker und die Halsen kamen an die Reihe. Zack, lagen wir auf der Seite! Dem Umstand geschuldet, dass wir als Crew einfach mal geschätzte 90kg zu leicht waren und aufgrund der nicht existenten Übung mit diesem Boot, kostete es uns ein paar Manöver um zumindest einigermaßen unfallfrei durch die Halsen zu kommen und die Zeit lief. Schon kam das Motorboot angerauscht, um die nächste Crew an Bord zu shuttlen und uns wieder an Land zu bringen. Klitschnass fuhren wir zurück in die Wohnung und legten uns erst einmal trocken. Zweites Frühstück, Lagebesprechung.

Am frühen Nachmittag war es dann soweit, die Steuermannsbesprechung fand statt und die ersten Races gingen los. 56 Teams, von denen immer sechs gegeneinander antraten und so am Schluss nach sieben sogenannten Flights Jeder gegen Jeden gesegelt war. Sie besten 18 sollten dann noch einmal gegeneinander in vier Finalfahrten antreten. 12 Boote blieben dabei immer auf dem Wasser und die Teams wurden mit Motorbooten an Bord gebracht, um dann innerhalb von zwei Minuten das Boot zu checken, bevor es auf den Kurs ging. Toll war, dass die Regatta direkt vor der Marina stattfand, dh man konnte von Land aus die anderen Teilnehmer beobachten. Die wurden dann auch von uns genau unter die Lupe genommen, welche Taktik sie fuhren, welche Seite die Bessere war, Windentwicklung etc.

Dann waren wir an der Reihe und standen das erste Mal am Steg der Konkurrenz gegenüber, die uns kritisch beäugte. Man merkte deutlich wie die Anspannung stieg, was bei uns auf dem Weg zum Kurs in einigen spaßigen Bemerkungen Ausdruck fand. Die daraufhin etwas zweifelnde Frage des Motorbootfahrers, ob wir denn überhaupt schon einmal gesegelt seien, führte nur zu noch mehr unqualifizierten Kommentaren unsererseits. Da kamen auch schon die Boote und wir sprangen an Bord. Kurzer Check, Vereinsflagge angebracht (wobei fast der Flaggenmast abbrach) und los ging’s. Beim ersten Flight hatten wir enormes Glück und konnten vor der ersten Luvtonne die anderen Boote unterwenden, so dass wir am Ende tatsächlich als Erste mit summendem Kiel über die Ziellinie fuhren. Der Jubel war unbeschreiblich! Den Motorbootfahrer hatten wir zumindest mal schwer beeindruckt. ;)

Auch in der zweiten Wettfahrt lief es gut, die Sets und Wenden wurden immer besser und wir lernten enorm dazu. Mit abnehmendem Wind fuhren wir als Dritte durch’s Ziel. Der erste Tag endet mit einem breiten Grinsen auf unseren Gesichtern und der etwas erstaunten Feststellung, dass wir bisher doch ganz gut mithalten konnten. Immerhin waren wir noch unter den ersten 18. Joscha hatte schon die Bundesliga im Blick. Gut gelaunt wurde der Feierabend eingeläutet und lecker gekocht. Eine Eigenkreation von Spaghetti Bolognese à la Trung gab’s. Und die nächste Besprechung. Was konnte am Ablauf noch verbessert werden? Wo musste verstärkt drauf geachtet werden? Wir mussten dringend mehr Höhe laufen. Wohnung und Balkon hingen mittlerweile voller Taktikzettel und nasser Segelklamotten.

Am nächsten Tag starteten wir etwas unglücklich, als sich das Segel bei der ersten Halse um das Vorstag wickelte und sich die Luvschot verfing. Joscha klettert bei ähnlichem Wind wie zu Beginn des ersten Tages nach vorne, um den Gennaker zu entwirren und wurde vom Segel fast von Bord gerissen. Wir schafften es mit einem Kraftakt, das Segel zu befreien und er kam ins Cockpit zurück gefallen. Leider „nur“ Vierter. Die Enttäuschung war ihm ins Gesicht geschrieben, aber sonst war glücklicherweise nichts passiert.

Im vierten Race ging es dann weiter mit der Pechsträhne: Wir verschätzten uns, wurden wegen Luvtonnenberührung angemahnt und mussten einen Strafkringel drehen. Also Gennaker wieder runter und einmal rum. Dank der Entscheidung ihn nicht wieder hochzuziehen, schafften wir es immerhin noch ein Boot einzuholen. Ein Anderes musste aufgeben, weil sie sich dermaßen unglücklich in einer der Gate Tonnen verfangen hatten, dass sie alleine nicht mehr los kamen und samt Gennaker auf der Seite lagen. Es konnte also nur besser werden. Und das wurde es auch.

Platz Drei im fünften Race und eine spektakuläre Zieleinfahrt mit zwei anderen Booten fast zeitgleich auf Downwindkurs im Sechsten. Wer vorne war, konnten wir nicht sagen. Banges Warten am Regattabüro folgte, dann hörte man lautes Gejubel bis zum Auto. Auf Niels und meinen fragenden Blick reckten Joscha und Trung zwei Finger nach oben. Zweiter! Unfassbar!! Was für ein Nervenkrimi! Auf dem Rückweg checkten wir zur Sicherheit noch einmal die Ergebnisse und stellten voller Entrüstung fest, dass das Ergebnis leider noch einmal korrigiert wurde und wir doch auf dem Dritten Platz gelandet waren. Das ist Regatta fahren. Die Diskussion, ob wir Einspruch erheben sollten oder überhaupt konnten brach los. Wir entschieden uns dagegen.

Den Abend ließen wir entspannt in einem Restaurant in der Stadt ausklingen. Der Tisch war für acht Uhr reserviert, wir tiegerten allerdings schon auf gut Glück zwei Stunden vorher hin. Viel Sauerstoff und Aufregung machen hungrig! Beim Essen wurden dann die Gegner des letzten Flights, der am nächsten Morgen stattfinden sollte, analysiert und die Chancen ausgerechnet, so unwahrscheinlich es auch immer sein sollte, ins Finale zu kommen. Ziemlich eng, vor allem bei zwei wesentlich besseren Teams. Also Ziel für den nächsten Tag: eine gute Platzierung im Mittelfeld schaffen. Völlig erledigt fielen wir gegen Neun in die Federn.

Am nächsten Tag war die allgemeine Aufregung noch mehr zu spüren, als die Tage zuvor, immerhin ging es gen Finale. Bei der Steuermannsbesprechung wurden ein paar Schäden angesprochen, unter anderem der offensichtlich häufig vorkommende Bruch der Flaggenstange, der uns durch ein anderes Boot und Team verursacht auch schon begegnet war. Von größeren Reparaturen hatte man aber bisher wenig mitbekommen. Die Organisation des Events klappte reibungslos und man merkte die Routine und Kenntnis, die dahinter stand. Auch die erstaunliche Bootsbeherrschung der Teams trug dazu bei, dass tatsächlich wenig Unfälle bzw Schäden entstanden waren. Mit eben dieser Bootsbeherrschung machten wir dann auch im letzten Flight nochmal ordentlich Bekanntschaft, als kurz vor der Startlinie das große Gerangel um eine möglichst gute Startposition anfing. Bisher hatten wir das immer ganz gut für uns entscheiden können, aber diesmal wurden wir leider ziemlich fies abgedrängt, so dass wir komplett einparkten und nicht schnell genug wieder an Geschwindigkeit aufnehmen konnten. Ein etwas trauriger fünfter Platz war das Ergebnis zum Abschluss und somit aber immer noch ein schöner 31. von 56 in der Gesamtwertung.

Alles in allem war die Stimmung wirklich super und dass gerade bei solch großen Events Segler die Säbel zwischen die Zähne nehmen, wenn es um eine Qualifikation geht, gehört schließlich dazu. Immer war aber der Humor dabei, zB war ein Team mit Hühner-Mützen als Maskottchen angetreten und wurde nur noch als das Chicken Hat Team aufgerufen. Das Niveau war enorm hoch und eine tatsächliche Qualifizierung hatte nicht nur mit viel Können, sondern auch ganz viel Erfahrung und Glück zu tun, schließlich können unvorhergesehene Dinge immer passieren. Es war ein tolles Erlebnis, von dem ich froh bin, dabei gewesen zu sein und von dem ich glaube, dass nicht nur Joscha und ich extrem viel gelernt haben. Niels und Trung haben gerade auch im Heranführen an das Geschehen einen sensationellen Job gemacht. Solltet ihr also einmal die Gelegenheit haben mit den beiden Regatta zu segeln, ergreift sie! Es macht höllischen Spaß!!!

To be continued…