Als mein Handy piepte, stapfte ich gerade in meinen Wanderstiefeln samt Rucksack durch die Lüneburger Heide, irgendwo zwischen Handeloh und Undeloh (ja, diese Orte gibt es wirklich). Genervt verdrehte ich die Augen, wieso hab ich hier eigentlich schon wieder Empfang? Und überhaupt, wer klaut mir hier wertvolle Akkuleistung?? Als ich Joschas Nachricht las fiel mir das Handy fast auf den matschigen Waldboden: „Hast du nächsten Fr, Sa, So Zeit und möchtest bei der Bundesligaqualifikation mitsegeln? Wir brauchen dringend noch ein viertes Crewmitglied, sonst können wir nicht starten.“ Wie bitte? Bundesligaquali? Meinte er das ernst? Bisher hatte ich nur ein paar Mal mit ihm auf der Argon an der Dienstagsregatta teilgenommen und auf dem Orm am Senatspreis am vorherigen Wochenende. Das war’s dann aber auch schon mit meiner Regattaerfahrung. Nach einem klärenden Telefonat am Abend (WLAN war zwar nicht verfügbar, aber immerhin Strom) war klar, ja, wir werden am nächsten Wochenende teilnehmen. Auf einem Boot, das wir beide vorher noch nie gesegelt waren, mit einer Crew die ich bis dato noch nicht einmal kannte.

Aber hey, no risk, no fun! Nach einem kleinen Einführungsabend am Dienstag durch Niels beim Italiener um die Ecke, bei dem er uns den Ablauf sowie die Aufgabenverteilung erklärte, samt kleiner Skizzen für’s bessere Verständnis und einer spontanen komplett Klamottenausstattung für mich durch Ragna (vielen Dank an dieser Stelle noch einmal dafür!), fuhren wir Donnerstagabend mit Trung zu viert nach Glücksburg in eine kleine Ferienwohnung, die er für das Wochenende organisiert hatte. Abends gab’s lecker Pizza, eine weitere Einführungsrunde und Taktikbesprechung. Bisher alles bloße Theorie. Der Umstand, dass Niels und Trung während Regatten die englischen Begriffe nutzen, brachte ihnen einige verwirrte Blicke ein, aber blöde Fragen stellen war ja schließlich unser Job als Neulinge und immer willkommen.

Punkt 9.30 saßen wir dann am nächsten Morgen das erste Mal auf einer der 13 J70s, die den Regatta Teilnehmern durch die Veranstalter für die Qualifikation zur Verfügung gestellt wurden. Das Startgeld war bezahlt, die einzige Trainingszeit von einer Stunde, die wir vor dem Start der Regatta hatten, hatte begonnen.

Der Wind ballert mit über 25 Knoten, als wir das Groß hoch zogen und das erste Mal aus der Marina segelten. Bei so viel Wind war ich vorher noch nie auf dem Wasser gewesen. Joscha zog die Genua raus und schon saßen wir auf der Kante und hiketen was das Zeug hielt. Die ersten Wenden klappten schon ganz gut. Dann zogen wir den Gennaker und die Halsen kamen an die Reihe. Zack, lagen wir auf der Seite! Dem Umstand geschuldet, dass wir als Crew einfach mal geschätzte 90kg zu leicht waren und aufgrund der nicht existenten Übung mit diesem Boot, kostete es uns ein paar Manöver um zumindest einigermaßen unfallfrei durch die Halsen zu kommen und die Zeit lief. Schon kam das Motorboot angerauscht, um die nächste Crew an Bord zu shuttlen und uns wieder an Land zu bringen. Klitschnass fuhren wir zurück in die Wohnung und legten uns erst einmal trocken. Zweites Frühstück, Lagebesprechung.

Am frühen Nachmittag war es dann soweit, die Steuermannsbesprechung fand statt und die ersten Races gingen los. 56 Teams, von denen immer sechs gegeneinander antraten und so am Schluss nach sieben sogenannten Flights Jeder gegen Jeden gesegelt war. Sie besten 18 sollten dann noch einmal gegeneinander in vier Finalfahrten antreten. 12 Boote blieben dabei immer auf dem Wasser und die Teams wurden mit Motorbooten an Bord gebracht, um dann innerhalb von zwei Minuten das Boot zu checken, bevor es auf den Kurs ging. Toll war, dass die Regatta direkt vor der Marina stattfand, dh man konnte von Land aus die anderen Teilnehmer beobachten. Die wurden dann auch von uns genau unter die Lupe genommen, welche Taktik sie fuhren, welche Seite die Bessere war, Windentwicklung etc.

Dann waren wir an der Reihe und standen das erste Mal am Steg der Konkurrenz gegenüber, die uns kritisch beäugte. Man merkte deutlich wie die Anspannung stieg, was bei uns auf dem Weg zum Kurs in einigen spaßigen Bemerkungen Ausdruck fand. Die daraufhin etwas zweifelnde Frage des Motorbootfahrers, ob wir denn überhaupt schon einmal gesegelt seien, führte nur zu noch mehr unqualifizierten Kommentaren unsererseits. Da kamen auch schon die Boote und wir sprangen an Bord. Kurzer Check, Vereinsflagge angebracht (wobei fast der Flaggenmast abbrach) und los ging’s. Beim ersten Flight hatten wir enormes Glück und konnten vor der ersten Luvtonne die anderen Boote unterwenden, so dass wir am Ende tatsächlich als Erste mit summendem Kiel über die Ziellinie fuhren. Der Jubel war unbeschreiblich! Den Motorbootfahrer hatten wir zumindest mal schwer beeindruckt. ;)

Auch in der zweiten Wettfahrt lief es gut, die Sets und Wenden wurden immer besser und wir lernten enorm dazu. Mit abnehmendem Wind fuhren wir als Dritte durch’s Ziel. Der erste Tag endet mit einem breiten Grinsen auf unseren Gesichtern und der etwas erstaunten Feststellung, dass wir bisher doch ganz gut mithalten konnten. Immerhin waren wir noch unter den ersten 18. Joscha hatte schon die Bundesliga im Blick. Gut gelaunt wurde der Feierabend eingeläutet und lecker gekocht. Eine Eigenkreation von Spaghetti Bolognese à la Trung gab’s. Und die nächste Besprechung. Was konnte am Ablauf noch verbessert werden? Wo musste verstärkt drauf geachtet werden? Wir mussten dringend mehr Höhe laufen. Wohnung und Balkon hingen mittlerweile voller Taktikzettel und nasser Segelklamotten.

Am nächsten Tag starteten wir etwas unglücklich, als sich das Segel bei der ersten Halse um das Vorstag wickelte und sich die Luvschot verfing. Joscha klettert bei ähnlichem Wind wie zu Beginn des ersten Tages nach vorne, um den Gennaker zu entwirren und wurde vom Segel fast von Bord gerissen. Wir schafften es mit einem Kraftakt, das Segel zu befreien und er kam ins Cockpit zurück gefallen. Leider „nur“ Vierter. Die Enttäuschung war ihm ins Gesicht geschrieben, aber sonst war glücklicherweise nichts passiert.

Im vierten Race ging es dann weiter mit der Pechsträhne: Wir verschätzten uns, wurden wegen Luvtonnenberührung angemahnt und mussten einen Strafkringel drehen. Also Gennaker wieder runter und einmal rum. Dank der Entscheidung ihn nicht wieder hochzuziehen, schafften wir es immerhin noch ein Boot einzuholen. Ein Anderes musste aufgeben, weil sie sich dermaßen unglücklich in einer der Gate Tonnen verfangen hatten, dass sie alleine nicht mehr los kamen und samt Gennaker auf der Seite lagen. Es konnte also nur besser werden. Und das wurde es auch.

Platz Drei im fünften Race und eine spektakuläre Zieleinfahrt mit zwei anderen Booten fast zeitgleich auf Downwindkurs im Sechsten. Wer vorne war, konnten wir nicht sagen. Banges Warten am Regattabüro folgte, dann hörte man lautes Gejubel bis zum Auto. Auf Niels und meinen fragenden Blick reckten Joscha und Trung zwei Finger nach oben. Zweiter! Unfassbar!! Was für ein Nervenkrimi! Auf dem Rückweg checkten wir zur Sicherheit noch einmal die Ergebnisse und stellten voller Entrüstung fest, dass das Ergebnis leider noch einmal korrigiert wurde und wir doch auf dem Dritten Platz gelandet waren. Das ist Regatta fahren. Die Diskussion, ob wir Einspruch erheben sollten oder überhaupt konnten brach los. Wir entschieden uns dagegen.

Den Abend ließen wir entspannt in einem Restaurant in der Stadt ausklingen. Der Tisch war für acht Uhr reserviert, wir tiegerten allerdings schon auf gut Glück zwei Stunden vorher hin. Viel Sauerstoff und Aufregung machen hungrig! Beim Essen wurden dann die Gegner des letzten Flights, der am nächsten Morgen stattfinden sollte, analysiert und die Chancen ausgerechnet, so unwahrscheinlich es auch immer sein sollte, ins Finale zu kommen. Ziemlich eng, vor allem bei zwei wesentlich besseren Teams. Also Ziel für den nächsten Tag: eine gute Platzierung im Mittelfeld schaffen. Völlig erledigt fielen wir gegen Neun in die Federn.

Am nächsten Tag war die allgemeine Aufregung noch mehr zu spüren, als die Tage zuvor, immerhin ging es gen Finale. Bei der Steuermannsbesprechung wurden ein paar Schäden angesprochen, unter anderem der offensichtlich häufig vorkommende Bruch der Flaggenstange, der uns durch ein anderes Boot und Team verursacht auch schon begegnet war. Von größeren Reparaturen hatte man aber bisher wenig mitbekommen. Die Organisation des Events klappte reibungslos und man merkte die Routine und Kenntnis, die dahinter stand. Auch die erstaunliche Bootsbeherrschung der Teams trug dazu bei, dass tatsächlich wenig Unfälle bzw Schäden entstanden waren. Mit eben dieser Bootsbeherrschung machten wir dann auch im letzten Flight nochmal ordentlich Bekanntschaft, als kurz vor der Startlinie das große Gerangel um eine möglichst gute Startposition anfing. Bisher hatten wir das immer ganz gut für uns entscheiden können, aber diesmal wurden wir leider ziemlich fies abgedrängt, so dass wir komplett einparkten und nicht schnell genug wieder an Geschwindigkeit aufnehmen konnten. Ein etwas trauriger fünfter Platz war das Ergebnis zum Abschluss und somit aber immer noch ein schöner 31. von 56 in der Gesamtwertung.

Alles in allem war die Stimmung wirklich super und dass gerade bei solch großen Events Segler die Säbel zwischen die Zähne nehmen, wenn es um eine Qualifikation geht, gehört schließlich dazu. Immer war aber der Humor dabei, zB war ein Team mit Hühner-Mützen als Maskottchen angetreten und wurde nur noch als das Chicken Hat Team aufgerufen. Das Niveau war enorm hoch und eine tatsächliche Qualifizierung hatte nicht nur mit viel Können, sondern auch ganz viel Erfahrung und Glück zu tun, schließlich können unvorhergesehene Dinge immer passieren. Es war ein tolles Erlebnis, von dem ich froh bin, dabei gewesen zu sein und von dem ich glaube, dass nicht nur Joscha und ich extrem viel gelernt haben. Niels und Trung haben gerade auch im Heranführen an das Geschehen einen sensationellen Job gemacht. Solltet ihr also einmal die Gelegenheit haben mit den beiden Regatta zu segeln, ergreift sie! Es macht höllischen Spaß!!!

To be continued…

Wir hatten ein herrliches Wochenende. Allerbestes Wetter, viel Spiel und viel Segeln.

Am Samstag beim Senatspreis war für die Toke leider zu wenig Wind und der auch noch aus falschen Richtungen. Upwind war die G3 zu klein und für den Code-0 der Wind zu spitz. Downwind war der Wind zu achterlich für den Gennaker. Wir haben daher die Segelzeit maximal ausgenutzt. Erfreulich ist: Wir haben dafür einen Preis bekommen. Den Tampen-Preis.

Am Sonntag bei der Elbe-Ausklang-Regatta war deutlich mehr Wind. Es war viel mehr Regatta. Leider wurde diese nach etwa der hälfte der Zeit durch die Wettfahrtleitung abgebrochen. Der Grund dafür ist möglicherweise das Fehlverhalten einzelner Teilnehmer gegenüber der Berufsschifffahrt. Sehr schade. Wir haben dennoch noch schön gesegelt. Erst gabs noch ne schöne Kreuz und dann bei ca. 12-16 Knoten Wind einen herrlichen Gennaker-Gang wieder bis Wedel.

Das alles war eine tolle Aktion. Samstags waren wir mit Orm und Toke auf der Elbe (und natürlich wie immer dem Gabelbart für den Rundungs-Check) und sonntags dann nur mit der Toke, da nicht alle Segler sonnstags Zeit hatten.

 

An folgenden Terminen bieten wir Einweisungen für das Wattenschiff an:

Samstag, 30.04. in Wedel, bitte meldet Euch bei Christian Bopp

Samstag, 04.06. in Wedel, bitte meldet euch bei Annika Schmöker

Der Bus fuhr um 0300 in Hamburg ab. Ankunft in Düsseldorf früh morgens. Noch Zeit für ein kleines Frühstück. Um 1000 haben wir die Düsselboot geentert. Viele Hallen, viele Aussteller, große Schiffe. Es gab sehr viel zu sehen. Ab 1600 wurde es dann ruhiger. Es wurden ein paar Bier getrunken. Die hatten wir uns aber auch verdient. Abfahrt von der Messe zum Restaurant 1900. Gutes und reichliches Essen. Rücksturz nach Hamburg gegen 2230. Ankunft Hamburg Damtor gegen 0330. Wir alle waren sehr müde. Der Besuch der Messe war lohnenswert. Wir haben auch viele Bekannte getroffen und viele Kontakte gepflegt.

Liebe TOKE-Freunde,

der neue Törnplan für 2016 ist online. Ihr findet ihn wie immer unter Schiffe -> TOKE -> Törnpläne. Reserviert schnell Euren Lieblingstörn unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Toll war´s! Super Wetter, nette Leute, Familienregatta und Party - was will man mehr?

Wir waren diesmal spät in Fleckeby, aber das war Absicht - zu gern wollten wir die Familienregatta mitnehmen, die uns schon vor 2 Jahren zugesagt hatte. Unser Aufenthalt war begleitet von sehr gutem Wetter, denn es war fast noch sommerlich warm.