J70 IDM Warnemünde - Die Einstellung zählt
Die J70 Ylva (GER 1495) bei der 88. Warnemünder WocheManchmal steckt der beste Teil einer Regattawoche nicht in der Ergebnisliste, sondern in der Art, wie eine Crew mit ihr umgeht. Für das ASV-IDM-Team bei der Internationalen Deutschen Bestenermittlung der J/70-Klasse hieß das Motto der Woche in doppelter Bedeutung: Die Einstellung zählt.
Mittwoch, 8. Juli – Anreise
Der Mittwoch gehörte der Logistik. Mit Boot, Ausrüstung und viel Vorfreude machte sich die Crew der Ylva auf den Weg nach Rostock-Warnemünde, Ziel war der Yachthafen Hohe Düne. Mast stellen, Boot kranen - leider war dem Hafenmeister dann doch zu viel Wind und das Kranen wurde auf Donnerstag verschoben. Letzte Handgriffe an Rigg und Trimm: Schon hier begann die erste der beiden Einstellungen, um die sich die Woche drehen sollte — die des Bootes. Am Abend blieb Zeit, Warnemünde zu erkunden und sich auf drei Tage mit sechzehn Bundesliga-erprobten Teams einzustimmen.
Donnerstag, 9. Juli – Erster Regattatag
Früh raus und ab unter den Kran. Alles auf die Bedingungen einstellen und 2 Stunden vor dem Rennen ist noch Zeit für einige Probeschläge. Mit dem ersten Ankündigungssignal ging es los, und der Wind ließ von Beginn an keinen Zweifel daran, wie ernst es die Ostsee mit dieser Woche meinte: Nordwest mit bis zu 20 Knoten, dazu die berüchtigte Warnemünder Welle. Schnell zeigte sich, dass der Bootsspeed der Ylva nicht ganz mit der Spitze der Flotte mithalten konnte. Die zweite Einstellung aber, die der Crew, stimmte von der ersten Wettfahrt an: konzentriert, humorvoll, lösungsorientiert.
Freitag, 10. Juli – Zweiter Regattatag
Der Wind blieb entgegen der Vorhersage ordentlich um die 12 Knoten, die Welle anspruchsvoll, und die Ergebnisse spiegelten den Speed-Rückstand weiter wider. Statt sich davon entmutigen zu lassen, nahm die Crew jedes Rennen als das, was es war: eine Gelegenheit, es beim nächsten Start ein Stück besser zu machen. Kleine Anpassungen am Trimm, engere Absprachen bei den Manövern, mehr Ruhe im Vorschiffsbereich — die Grundhaltung an Bord blieb optimistisch.
Samstag, 11. Juli – Dritter Regattatag und Abreise
Auch am letzten Tag gab Warnemünde keinen Rabatt. Der anfänglich sehr schwache Wind brachte eine halbe Stunde Startverschiebung, um dann bis Mittag zur Stärke des Vortages aufzufrischen. Doch auch heute: Ein paar gute Starts machen noch keinen J70-Sommer. Am Ende stand für die Ylva der 16. Platz der IDB-Wertung — ein Ergebnis, das ehrlich beim Namen genannt werden darf. Der Bootsspeed reichte über die Serie nicht, um mit den Bundesliga-erprobten Crews mitzuhalten. Dabei haben wir uns nicht einfach kampflos gefügt, sondern konsequent an allen Stellschrauben gedreht um das Maximum herauszuholen: von vorne Fockspannung bis hinten Achterstag, von Wantenspannung über Barber-Justierung bis zu synchonen Bewegungen auf den Wellenbergen.
So reiste die Crew mit erhobenem Kopf ab: Jede Wettfahrt wurde bis zur Ziellinie knallhart ausgekämpft – und dort auch mit Erfolg, denn auf den letzten Metern haben wir immer wieder Konkurrenten abgefangen. Die Manöver liefen reibungslos, die Taktik war teilweise überlegen und jeder Rückstand wurde als Ansporn statt als Frust verstanden.
Nach dem Abbau ging es am Abend zurück Richtung Hamburg.
Die ASV-IDM-Crew hat in Warnemünde gelernt, wie viel an der Bootseinstellung noch zu justieren ist, um konkurrenzfähigen Speed zu erreichen — eine klare Hausaufgabe für die kommenden Regatten. Wichtiger aber: Sie hat gezeigt, dass die eigene Einstellung nicht verhandelbar war. Wir können immer besser werden!
Ole, Matthias, Morten & Max


